St. Vincenz

Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere

Infos

Adresse
Niedernstraße 47
38364 Schöningen

Kontaktdaten
Tel.: 05352-4764
Web: https://www.schoeningen.de/kunst-und-kultur/sehenswuerdigkeiten/st-vincenz/

Foto: Stadt Schöningen, Frank Bierstedt

St. Vincenz

Die heute ev.-luth. gotische Pfarrkirche St. Vincenz wurde um 1250 errichtet. Aus dieser Zeit stammt das mächtige Westwerk mit dem Turm, von dem aus das Schloss 1542 während der Belagerung durch die Protestanten unter Graf Mansfeld beschossen wurde. Das Langhaus im Stil einer dreischiffigen Hallenkirche wurde zwischen 1429 und 1460 errichtet und musste nach dem großen Stadtbrand 1644 völlig erneuert werden.

Es wird geprägt durch die 1644 eingebauten Emporen mit 34 Apostel- und Prophetenbildnissen, die barocke Kanzel von 1652 und die 1658 vollendete und 1994 restaurierte, mit Knorpelwerkmalereien geschmückte Jonas-Weigel-Orgel. Im Chor befindet sich der barocke Altar. Die Großbuchstaben über der Mitteltafel verschlüsseln den Namen der Stifterin "V.on G.ottes G.naden A.nna S.ophia, G.eboren A.us C.hurfürstlichem S.tamm B.randenburg. H.erzogin Z.u B.raunschweig U.nd L.üneburg, W.itwe". Links im Chor erhebt sich die Fürstenprieche mit Bildnis der Herzogin. In St. Vincenz finden regelmäßig im Herbst die Schöninger Orgelwochen statt.

Aus dem paläon

Fotos: Sebastian Petersen / Philigran Studio.

Die Schöninger Speere

Schöningen im Jahr 1994: Im Rahmen einer Rettungsgrabung machen Archäologen im örtlichen Tagebau eine Entdeckung, die unser Bild vom Urmenschen auf den Kopf stellt.

Dr. Hartmut Thieme vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) ist der Entdecker der weltberühmten Schöninger Speere. Seit 1983 führte der Archäologe mit seinem Team im Vorfeld des Schöninger Tagebaus Rettungsgrabungen durch. Die Krönung seiner Bemühungen war zwischen 1994 und 1998 die Entdeckung mehrerer, vollständig erhaltener Holzartefakte aus der Altsteinzeit – ein Fund der seinesgleichen sucht und ihren Finder in Fachkreisen weltbekannt machte. Die Schöninger Speere sind mit einem Alter von etwa 300.000 Jahren die bisher ältesten erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit. Mit dem paläon – Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere wird Thiemes Fund gebührend für interessierte Besucher und Fachleute aus der ganzen Welt in Szene gesetzt.

Inmitten eines Jagdlagerplatzes finden sie mehr als 10.000 Knochen von Wildpferden sowie sieben Holzspeere, weitere Speerbruchstücke, eine Lanze und ein Wurfholz. Eine echte Weltsensation. Denn niemals zuvor wurden so alte und vollständig erhaltene Jagdwaffen aus Holz gefunden. Etwa 300.000 Jahre blieben die Fundstücke dank ungewöhnlich günstiger geologischer Verhältnisse erhalten. Die Nachricht vom sensationellen Fund der Schöninger Speere geht um die Welt.

Im niedersächsischen Schöningen kann man einzigartig nachvollziehen, wie und wo unser Vorgänger, der Homo heidelbergensis, gelebt und gejagt hat. Aus der gesamten Altsteinzeit gibt es zu den Schöninger Speeren weltweit keine Parallele. Für Archäologen sind die über zwei Meter langen, sorgfältig bearbeiteten Speere wie ein Erkenntnisschatz. Anhand des gesamten Fundensembles lässt sich die Besiedlungsgeschichte Nordeuropas erläutern und viele Annahmen über das Leben des Homo heidelbergensis nun endlich beweisen. Planendes Handeln, Kommunikationsvermögen, technologische Fertigkeiten, ausgefeilte Jagdstrategien und ein komplexes Sozialgefüge gehörten zu seinen Fähigkeiten. Damit war er dem modernen Menschen weit näher als bisher gedacht.

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