Juleum – älteste Universitätsaula Norddeutuschlands

Das Juleum in Helmstedt ist die älteste erhaltene Universitätsaula in Nordwestdeutschland. Sie wurde ab 1592 im Stil der deutschen Spätrenaissance als Hauptgebäude der welfischen „Academia Julia“ (1576-1810) errichtet.

Das Gebäude kann nach Anmeldung vom Keller bis zum über 50 Meter hohen Turm besichtigt werden. Es enthält neben der Aula, in der öffentliche Vorträge und Konzerte stattfinden, den ehemaligen Wein- und Bierkeller mit dem  Kreis- und Universitätsmuseum (zurzeit wegen Einbaus einer neuen Heizungsanlage geschlossen) sowie die heute noch wissenschaftlich genutzte ehemalige Universitätsbibliothek in der oberen Etage. Hier befinden sich rund 15000 Drucke des 15. bis frühen 19. Jahrhunderts. Von herausragender Bedeutung sind die „Kettenbücher“,  das Fragment einer mittelalterlichen Handschrift des Sachsenspiegels sowie das 98 Folio-Bände umfassende Herbarium  des Professors Heister aus dem 18. Jahrhundert.

Das Juleum bietet zusammen mit den um den Collegienplatz gelegenen historischen Seitenflügeln ein einzigartiges Ausflugsziel für Gäste jeder Altersstufe, die sich von schöner Architektur und einem authentischen Ort der Geistes- und Alltagsgeschichte begeistern lassen möchten.

Das prachtvolle Bauwerk mit seinem opulenten Gebäudeschmuck ist nicht nur ein Augenschmaus, sondern vermittelt auch einen unmittelbaren Einblick in das Universitätsleben vergangener Jahrhunderte. Hier lehrte der weltberühmte Theologe, Philosoph und Naturwissenschaftler Giordano Bruno, hier studierte für kurze Zeit Otto von Gericke, hier wurde der berühmte Mathematiker Carl Friedrich Gauß promoviert.

Eine welfische Universitätsgründung in Helmstedt

Nach seiner Thronbesteigung im Jahr 1568 setzte Herzog Julius von Braunschweig und Lüneburg die Reformation in seinem Fürstentum durch. Folglich benötigte er evangelisch ausgebildete Theologen. Dies war neben der Ausbildung „moderner“ Verwaltungsbeamter und wirtschaftlichen Erwägungen ein entscheidender Grund, eine eigene Universität einzurichten. 1576 wurde die nach dem Herzog „Academia Julia“ benannte Einrichtung im verkehrsgünstig gelegenen Helmstedt eröffnet.

Bald strömten zahlreiche Studenten an die neue Lehranstalt, die die vier Fakultäten: Philosophie, Medizin, Jurisprudenz und Theologie umfasste. Nach ihrer vorübergehenden kurzen Schließung während des 30-jährigen Krieges erlebte die Academia Julia eine zweite Blüte, bevor mit der Gründung der Konkurrenzuniversitäten in Kiel, Halle und Göttingen der unaufhaltsame Abstieg begann. Jérôme Bonaparte, König von Westphalen, ordnete die Schließung der Universität an. 1810 fanden hier die letzten Vorlesungen statt.

Insgesamt mehr als 400 Professoren aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch aus Schottland, Frankreich, Italien und den Niederlanden haben hier gewirkt. Viele waren Mitglieder eines europäischen Gelehrtennetzwerkes. Zu ihnen zählen der Polyhistor und Begründer der deutschen Rechtsgeschichte Hermann Conring, die Angehörigen der Professorendynastie Meibom, der Schotte Duncan Liddel, der große Friedenstheologe Georg Calixt sowie der „Vater der wissenschaftlichen Chirurgie“ Lorenz Heister.

Die ältesten erhaltenen Gebäude der Universität liegen auf der Ost- und Westseite des Collegienplatzes. Dort befanden sich das Anatomische Theater, ein doppelstöckiger Karzer (Studentengefängnis), Verwaltungsräume und die Universitätsküche mit der Mensa.

Das „alte Stipendiatenhaus“ (Studentenwohnheim) im Südflügel wurde im 19. Jahrhundert durch einen Schulneubau ersetzt.

Als mit wachsender Bekanntheit der Universität immer mehr Studenten nach Helmstedt strömten, wurde 1592-1597 das „Juleum“ als repräsentativer Neubau errichtet. Der Baumeister war Paul Francke, den Figurenschmuck gestaltete Jakob Meyerheine. Die heutige Farbgebung geht auf eine Restaurierung des 20. Jahrhunderts zurück. Über die originale Farbe herrscht keine Einigkeit.

Über die Tourismusgemeinschaft Elm-Lappwald e.V.

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